Wissen und Glauben | Annemarie Nyqvist

„Mama, was weißt du eigentlich vom lieben Gott?“

„Dass er sich freut, dass du da bist!“

„Ist er also unsere Nachbarin? Sie freut sich ja auch immer so doll, wenn ich da bin.“

Was wissen Sie vom lieben Gott?
Manchmal ist es gar nicht so einfach, die Fragen der nächsten Generation zu beantworten. In allen Antworten geben wir nicht nur unser Wissen, sondern gleich unseren ganzen Erfahrungshorizont weiter. Zugleich lernen wir selbst ein Stück das kennen, was wir vom Leben verstanden haben.

Was weiß der liebe Gott von uns?
Wenn wir Gottes Kinder sind, sind wir ja sozusagen alle Geschwister untereinander. Und wer Geschwister hat, weiß, dass da nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen ist. Nee, man buhlt und zankt um die Gunst der Eltern. Das frappierende jedoch ist – jedes Kind hat einen ganz anderen Blick auf die Eltern. Jedes Kind sieht seine Eltern aus einer anderen Perspektive, aus einem anderen Kontext, aus einem anderen Körper, aus einer anderen Verfassung… Und jeder sieht, was er zu sehen vermag. Wenn Gott uns also so sieht, sieht er möglicherweise sich kabbelnde Kinder.

Woher kommt das Wissen?
Der Glaube verbindet uns mit allen Generationen, die vor uns waren – durch sie hindurch sind uns Traditionen vermittelt, Wissen überliefert, Haltung mitgegeben, Glaubenssätze vorgebetet und die tiefe Erkenntnis, dass das Leben lebendig ist.

Und der liebe Gott? …
Der steht dann, plötzlich aus allen Generationen heraus sprechend, mit aller Erklärungsgeduld, die eine Mutter aufbringen kann, als Nachbarin vor der Tür und freut sich, dass man da ist.

Annemarie Nyqvist

Krankenhausseelsorgerin
KRANKENHAUS REINBEK ST. ADOLF-STIFTHerzlich

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