Zu Atem kommen | Annemarie Nyqvist

Albert Einstein hält einen anspruchsvollen Vortrag über das Verhältnis von Raum und Zeit. Als er fertig ist, steht ein Zuhörer auf und widerspricht: „Was Sie hier ausgeführt haben, ist mir viel zu spekulativ. Wir sind doch nicht in der Kirche. Nach meinem gesunden Menschenverstand kann es nur das geben, was man sehen und überprüfen kann.“

Einstein lächelt und antwortet: „Dann kommen Sie doch bitte nach vorne und legen Ihren gesunden Menschenverstand hier auf den Tisch.“

 

Impuls:

„Es kann nur das geben, was man sehen und überprüfen kann.“ Schön wäre das. Schön einfach.

So manches Mal verleitet uns unser gesunder Menschenverstand aber genau zu diesen Gedanken. Wenn der Alltag funktioniert, die Talente in guter Weise eingebracht und abgefordert werden. Wenn alles im Fluss ist, dann „läuft´s“.

Und nun kommt man zur Ruhe. Innehalten. Essen und Trinken, Zeit für die Landschaft und Zeit für die Wegbegleiter haben. Und plötzlich bleibt da vielleicht auch etwas Zeit für sich selbst.

Es gibt keine Wege ohne Zeit zum Atem holen. Und dann, wenn frischer Atem kommt, kommen neue Ideen und andere Gedanken. Nicht erschrecken, sie gehen vielleicht über den „gesunden Menschenverstand“ hinaus!

All unser Denken hat Konsequenzen, weil es uns an unser eigenes Ziel führt. Demnach ist es umso wichtiger, dem Denken Raum, Luft und Atem zu geben.

Hier ein schöner Gedanke Luthers den er aus der Bibel weiter führte: „Niemand hat alle Gaben, Ämter und Tugenden. So muss an einem jeglichen Menschen etwas sein, was da mangelt. Darum hat es Gott so geordnet, dass einer dem anderen diene.“

 

Gedanken für den Tag:

Zu Atem kommen heißt Anhalten, Pause machen, rasten. Neue Kraft „tanken“.

* Was brauche ich in meinen Pausen?

* Kann ich meine „Gaben, Ämter und Tugenden“ in den Pausen ruhen lassen?

* Einer dient dem anderen! Wem diene ich? Wer dient mir?

 

Annemarie Nyqvist

Krankenhausseelsorgerin
KRANKENHAUS REINBEK ST. ADOLF-STIFT

Bildquellen:
  • Kosmischer Bauplan: 221456_089_kosmischer_bauplan_by_peter_weidemann_pfarrbriefservice | Pfarrbriefservice.de