Zur Vorgeschichte „unserer“ Maria Treu
Seit dem Jahr 2013 gibt es eine Kopie der Gnadenmadonna „Maria-Treu“ in der Marienkapelle in Büchen.
Diese Madonna wurde 1492 für das Kloster Ebstorf bei Lüneburg gefertigt. Das Kloster Ebstorf war ein bedeutender Wallfahrtsort und Maria wurde hier als Königin der Engel und Märtyrer verehrt.
Im Zeitalter der Reformation als die Protestanten die Marien- und Heiligenstatuen entfernten, wurde auch die Mutter aus Ebstorf weggeräumt. Im Jahr 1644 kam die Herzogin Anna Magdalena, die ihren Gatten Julius Heinrich, Herzog von Lauenburg auf einer Reise begleitete. Diese entdeckte die kleine Marienstatue, die sie “anlachte.“ Sie erbat sich die Madonna und brachte sie in den Wallfahrtsort Büchen, wo sie 10 Jahre blieb. Nach dem Tod ihres Gatten ging sie zurück in ihre Heimat Schlackenwerth (heute Ostrov) wohin sie auch die Madonna mitnahm und sich weiterhin kümmerte. Auch im 2. Weltkrieg und unter der kommunistischen Herrschaft kümmerte sich immer jemand um diese kleine Marienstatue. Inzwischen steht die Gnadenmadonna in der St. Michael-Maria Treu Kirche im Hochaltar unter Glas.
Unser Pilgerreise
Am Freitag, 25. September machten sich zwei VW-Busse mit 17 Reiselustigen auf den Weg nach Ostrov in Tschechien. Ziel war die Kirche St. Michael-Maria-Treu.
Treffen war um 8 Uhr an der Marienkapelle in Büchen, wo es eine kurze Andacht mit Pastor Serafin und anschließendem Reisesegen gab. Es wurde gesungen und gebetet und so ging die Fahrt ohne Staus und bei gutem Wetter zügig voran. Nach einigen „notwendigen Halts“ kam die Gruppe gegen 17 Uhr in Kyselka (Erzgebirge) an, wo Ivana Riegerova, die Pensionswirtin uns die Schlüssel für die Zimmer aushändigte.
Für 18 Uhr hatten wir einen Tisch in dem nahegelegenen Gasthaus reserviert, wo wir gut zu Abend essen konnten. Alle waren froh, gut angekommen zu sein und etwas müde von der langen Autofahrt. So beschlossen wir, die Fahrt nach Ostrov zu einem Konzert nicht anzutreten und lieber noch eine Weile in froher Runde den Abend ausklingen zu lassen.
Am nächsten Morgen gab es ein gutes Frühstück. Danach fuhren wir nach Ostrov wo wir uns mit Pater Milan Geiger um 9 Uhr an der Kirche St. Michael-Maria Treu trafen. Pater Geiger, der gut deutsch sprach, fuhr mit seinem Auto vorweg und wir folgten ihm nach Seifen, wo eine Wallfahrt stattfand.
Seifen ist ein Ortsteil von Gottesgab und liegt 1028 Meter über dem Meeresspiegel. Die deutsch-böhmische Bevölkerung von Gottesgab (heute Bozi Dar) wurde nach Ende des zweiten Weltkrieges 1945 vollständig vertrieben und die Häuser zerstört. Die Wallfahrt zu dem höchsten Punkt findet jedes Jahr statt und will den Angehörigen der Vertriebenen helfen, die Erinnerung wachzuhalten.
Bei wunderschönem Sommerwetter feierten die beiden Priester Pater Milan und Pastor Serafin die heilige Messe vor einigen hundert Personen.
Nach dem feierlichen Gottesdienst am Gedenkkreuz für die Vertriebenen, gab es typisches Essen und Trinken und Musik aus den umliegenden Dörfern und Verbänden. Gleich auf der anderen Seite ist Sachsen mit dem Ort Oberwiesenthal.
Nach vielen Gesprächen mit den Menschen, die aus den Grenzgebieten kamen, machten wir uns auf ins Tal, wo die Stadt Gottesgab mit der St. Anna-Kirche liegt. Leider ist in Tschechien der Glaube nicht sehr verbreitet, die St. Anna Kirche war geöffnet, es brannte aber kein ewiges Licht!
Der Ort lebt vom Fremdenverkehr.
An diesem Abend suchten wir ein Restaurant in Ostrov auf. Auf der Karte gab es unter anderem „Hermelin“, was für uns ein kleiner Iltis ist. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es sich bei dem Gericht um tschechischen Weichkäse handelt.
Zurück in unserer Pension, nach etwa 20 Minuten Autofahrt, saßen die meisten noch in fröhlicher Runde zusammen und ließen den Tag ausklingen.
Zu Gast in der Kirche St. Michael-Maria-Treu Kirche
Am Sonntag war die heilige Messe um 9 Uhr in der St. Michael-Maria-Treu Kirche. Wir bekamen die erste Lesung und durften sie in Deutsch vortragen. Für die Übersetzung hat Frau Suzanna Zelezna, die im Bürgermeisteramt beschäftigt ist, gesorgt; mit ihr hatten wir auch die Vorbereitung der Reise getroffen.
Nach dem Gottesdienst wurden wir in den Pfarrsaal gebeten, wo es Kaffee und Gebäck gab. Es war sehr schön, dass einige Personen mit uns in unserer Sprache reden konnten. Am letzten Septemberwochenende wird der Gedenktag des hl. Michael gefeiert, mit Kirmes auf dem Marktplatz, Spaß für Groß und Klein und Buden mit allerlei Köstlichkeiten.
Der Bürgermeister führte eine Gruppe aus Wunsiedel, einer Partnergemeinde aus dem Fichtelgebirge durch seine Amtsräume und wir wurden dazu gebeten, bekamen die nötigen Informationen übersetzt von Frau Zelezna. Der Bürgermeister war stolz auf seine Stadt, die alten wunderschön restaurierten Gebäude und er konnte uns viel über die Geschichte der Region erzählen.
Ostrov hat nach 1989 eine blühende Wende erlebt. Durch EU-Gelder wurden zahlreiche Gebäude wieder hergerichtet. Danach hatten wir die Gelegenheit, die Parkanlagen im Schlossgarten zu besichtigen.
Nach einer kurzen Mittagspause machten wir uns auf den Weg in den Heiligen Bezirk.
Zwischen den Kapellen der Hl. Anna und des Hl. Florians konnten wir die Kapelle Maria Einsiedeln bestaunen, die auf einer Anhöhe und durch zahlreiche Treppenstufen zu erreichen ist. Diese Kapelle wurde nach dem Muster der Kapelle in der Schweizer Stadt Einsiedeln von der Markgräfin Sibylla Augusta in Auftrag gegeben aus Dankbarkeit, dass ihr Sohn, schon sechsjährig, die Sprache erlernte. Zum Schluss wurde uns eine 3D-Videoprojektion vorgeführt zum Thema: Wieviel Zeit bleibt uns? Und was machen wir damit? “Carpe diem – Memento mori“
Am Grab von Frau Lida Hanzlova
Zum Schluss durften wir das Grab von Frau Lida Hanzlova besuchen. Dort hielten wir eine kurze Andacht. Frau Hanzlova wurde im Jahr 2009 zur Brückenbauerin zwischen Ostrov und Büchen. Sie stellte die Verbindung zu Stanislav Tomanec, dem Bildhauer her und begleitete das Vorhaben mit großem persönlichem Einsatz. Wenn sie in Büchen zu Besuch war, war sie stets auf der Suche nach dem Ursprung der Originalmadonna. Mit ihrer Bildung, ihrer Liebe zur Geschichte und Kunst sowie ihrem Einsatz für die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen hat sie viel Gutes getan. Wir werden sie in dankbarer und ehrender Erinnerung behalten.
Abschied und Segen
Am Abend kehrten wir wieder in das Restaurant vom Vortag ein und baten Pater Milan Geiger und Frau Suzanna Zelezna dazu. Beim Abschied sprachen wir die Einladung nach Büchen aus und hoffen, dass es zu einem Gegenbesuch kommen wird. Pater Milan Geiger hat sechs Gemeinden zu versorgen!
Als kleines Mitbringsel verschenkten wir an den Priester und die Kirchengemeinde, Frau Zelezna, den Bürgermeister, an die Abordnung der Partnergemeinde Wunsiedel und an unsere Pensionswirtin je eine Kerze und Niederegger Marzipan. Die Kerze trug das Bild des Kirchenfensters unserer Marienkapelle.
Zurück in der Pension, ließen wir die Tage Revue passieren und in gemütlicher Runde ausklingen.
Pastor Serafin hatte mit Pater Milan vereinbart, dass wir am nächsten Morgen vor unserer Abreise einen Gottesdienst in seiner Kirche feiern dürfen. So konnten wir uns in aller Ruhe die St. Michael-Maria-Treu Kirche anschauen und die Original-Madonna im Hochaltar „richtig“ anschauen.
Nach dem Reisesegen von Pater Milan Geiger fuhren wir voller guter Eindrücke in Richtung Heimat.
Die Stadt Karlsbad werden wir ein anderes Mal besuchen, dazu war bei dieser Reise keine Zeit.
Ursula Pinnau