In Helfta, im Klostergarten der Zisterzienserinnen, gibt es ein „Lebendiges Labyrinth“. Labyrinthe im ursprünglichen Sinn sind zu unterscheiden von Irrgärten: Im Irrgarten ist ein „Verirren“, ein Verlaufen möglich – im Labyrinth nicht. Ein Labyrinth ist ein verschlungener, verzweigungsfreier Weg, dessen Linienführung unter regelmäßigem Richtungswechsel zwangsläufig zum Ziel, dem Mittelpunkt führt.
Sind Sie schon mal in einem Labyrinth unterwegs gewesen?
Man läuft und läuft und braucht neben Entdeckerneugier auch viel Geduld. Zeitweilig kann man sich verloren fühlen, aber man spürt auch immer mal wieder die Nähe zur Mitte. Der Weg im Labyrinth erfordert Mut und Ausdauer.
Labyrinthe können Sinnbild für unser Leben sein: Es geht selten gradlinig, vieles scheint verschlungen, zugewachsen, anderes erblüht gerade und duftet geradezu. In allem gibt es eine Mitte.
Die Schwestern von Helfta beschreiben es so:
Zielgerichtet handeln heißt oft, Umwege zu machen, weite Wege in Kauf zu nehmen. Nicht immer ist die Mitte deutlich im Blick, auch wenn sie vielleicht ganz nah liegt. Nicht müde werden, den Spuren des Lebens folgen Schritt für Schritt und geführt von der Hoffnung, dass sich Christus als Mitte des Lebens offenbart.
Ein Labyrinth kann Sinnbild für unser ganzes Leben oder auch nur für einen einzigen Tag sein. Die Stunden und Sekunden des heutigen Tages können wir einbringen, um an unser heutiges Ziel zu kommen.
Gedanken für den Tag:
Was nehme ich mit auf meinen heutigen Weg, an Gedanken, an „Vorhaben“, an Menschen, mit denen ich ins Gespräch kommen möchte?
Brauche ich für mein heutiges Ziel Unterstützung?
Gibt es eine Mitte in meinem heutigen Tag?
Annemarie Nyqvist
Krankenhausseelsorgerin
KRANKENHAUS REINBEK ST. ADOLF-STIFT