Ein Kind im Hort kam freudestrahlend auf mich zu gelaufen: „Ich habe morgen Geburtstag!“ Glücklich hopsend rannte es weiter.
Hopsend und fröhlich in das neue Lebensjahr zu schauen, fällt einem ab einem gewissen Alter irgendwie schwer.
Aber der Gedanke hat mich seitdem gepackt: „Wachstumsschübe“! Bei Kleinkindern freuen wir uns über Entwicklungssprünge und jeder weiß um die gute Intention des Ausrufs „Mensch, bist du groß geworden.“
Könnte man nicht auch bei Erwachsenen diese positive, freudige Grundintention haben, selbst wenn wir erkennen, dass der Zenit überschritten und „Wachstum“ eher „Abbau“ oder „Abschied“ bedeutet?
Auch bei Kindern gehen die Entwicklungssprünge ja nicht ohne Schmerzen von statten. Erinnern Sie sich noch, wie es manchmal in den Beinen zog, wenn sie nachts wuchsen. Wie seltsam es war, wieder mit der neuen Größe klarzukommen und schon wieder neue Schuhe einzulaufen und Blasen zu bekommen? Ganz zu schweigen vom Zahnwechsel, mindestens an die Weisheitszähne könnte man sich noch erinnern – oder will man gerade nicht…
Eine Brustkrebspatientin erzählte, dass sie nie wieder über das Älterwerden schimpfen möchte, sollte sie diese Erkrankung überstehen. Und selbst den bisher verhassten Blick auf das „Nullen“ würde sie ändern. Mit Freue, Jubel und großer Party würde sie so gern 50 werden!
Ja, wie wäre es denn, wenn wir auch im Erwachsenenalter unsere Entwicklungen feiern würden: Morgens aufrichtig im Spiegel ein inneres Fest über die grauen Haare feiern! Und da, wieder eine Falte mehr und, ich fass es nicht, auch einen Altersfleck habe ich!
„Sprünge“ in der Entwicklung vollziehen heißt nicht nur gebrechlich zu werden, sondern auch alt, im besten Sinne, und weise.
Annemarie Nyqvist
Krankenhausseelsorgerin
KRANKENHAUS REINBEK ST. ADOLF-STIFT