„Deine Geschichte ist nicht zu Ende“
Hamburg setzt am Welttag der Suizidprävention ein Zeichen
202 Stühle erinnern auf dem Rathausmarkt an 202 Menschen, die 2024 in Hamburg durch Suizid gestorben sind
Anlässlich des Welttages der Suizidprävention lädt das HAMBURGER Netzwerk für Suizidprävention am Donnerstag, den 10. September 2026, von 14 bis 17 Uhr auf den Hamburger Rathausmarkt ein. Unter dem diesjährigen Motto „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“ soll die Veranstaltung ein sichtbares Zeichen für Suizidprävention, gegen die Tabuisierung von Suizidalität und für mehr Offenheit im Umgang mit seelischen Krisen setzen.
Im Mittelpunkt der öffentlichen Aktion stehen 202 Stühle. Jeder einzelne Stuhl steht symbolisch für einen Menschen, der im Jahr 2024 in Hamburg durch Suizid gestorben ist. Die Installation macht die Zahl von 202 Menschen sichtbar und gibt den Verstorbenen einen Platz mitten in der Stadt.
„Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, eine Geschichte und ein Umfeld von Angehörigen, Freund:innen . Mit den 202 Stühlen wollen wir sichtbar machen, dass Suizid keine abstrakte Zahl ist. Jeder Mensch, der durch Suizid stirbt, hinterlässt eine Lücke. Gleichzeitig wollen wir mit unserer Veranstaltung Mut machen: Eine Krise muss nicht das Ende einer Geschichte sein.“.
Über 10.000 Menschen nehmen sich jährlich in Deutschland das Leben. Nahezu jeden zweiten Tag ein Suizid in Hamburg
Im Jahr 2024 starben 202 Menschen in Hamburg durch Suizid. Das entspricht durchschnittlich einem Suizid etwa alle zwei Tage.
Noch größer ist die Zahl der Menschen, die einen Suizidversuch unternehmen oder sich in einer suizidalen Krise befinden. Die WHO weist darauf hin, dass es weltweit bis zu 20-mal so viele Suizidversuche wie Suizidtodesfälle geben kann.
„Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, hinzuschauen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Suizidprävention beginnt nicht erst im akuten Notfall. Sie beginnt dort, wo Menschen ihre Not aussprechen können, und auf Menschen treffen, die zuhören und Hilfe vermitteln können.“, so Nina von Ohlen, Leiterin des Hamburger Netzwerkes für Suizidprävention.
Informationen, Gespräche und konkrete Hilfe auf dem Rathausmarkt
Besucher_innen können sich am 10. September auf dem Rathausmarkt über konkrete Hilfsangebote informieren. Netzwerkpartner_innen aus unterschiedlichen Bereichen der Hamburger Hilfelandschaft – darunter Seelsorge, Beratung und Betreuung – stehen für persönliche Gespräche zur Verfügung und informieren an verschiedenen Ständen über ihre Arbeit und Unterstützungsangebote.
Damit soll die Veranstaltung ausdrücklich niedrigschwellig sein: Menschen können stehen bleiben, sich informieren, Fragen stellen oder ganz persönlich mit einer Fachkraft ins Gespräch kommen.
Gedenken und Hoffnung verbinden
Der Welttag der Suizidprävention ist zugleich ein Tag des Gedenkens an Menschen, die durch Suizid gestorben sind, und ein Anlass, über Möglichkeiten der Prävention zu sprechen. Das HAMBURGER Netzwerk für Suizidprävention möchte deshalb beides miteinander verbinden: Erinnerung und Hoffnung, Trauer und Hilfe, Schweigen und Gespräch.
„‚Deine Geschichte ist nicht zu Ende‘ bedeutet für uns: Auch wenn ein Mensch gerade keinen Ausweg sieht, kann sich eine Situation verändern. Hilfe ist möglich. Und manchmal beginnt sie mit einer einzigen Frage: Wie geht es dir wirklich?“
Das HAMBURGER Netzwerk für Suizidprävention ist ein multidisziplinäres und multiprofessionelles Netzwerk, das Einrichtungen und Institutionen in Hamburg zusammenbringt, um gemeinsam weitere Suizide zu verhindern, Hilfsangebote bekannter zu machen und das Thema Suizidalität zu enttabuisieren. Das Netzwerk besteht inzwischen aus zahlreichen Einrichtungen und professionell Tätigen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern.
Trauergottesdienst am Abend
Trauergottesdienst zum Welttag der Suizidprävention am Donnerstag, 10. September 2026 in der Hauptkirche St. Jacobi. Beginn ist um 18 Uhr.
Der Gottesdienst richtet sich insbesondere an Menschen, die einen Angehörigen, Freund_in oder eine andere nahestehende Person durch Suizid verloren haben. Er bietet Raum für Trauer, Erinnerung und gemeinsames Gedenken.