Jeden Tag trug eine Frau zwei Tongefäße an einer Stange zum Brunnen, um Wasser nach Hause zu bringen. Eines der Gefäße war vollkommen und brachte das Wasser unversehrt ans Ziel, das andere jedoch hatte einen Riss und verlor unterwegs einen großen Teil seines Inhalts. Nach langer Zeit schämte sich das beschädigte Gefäß und sagte traurig zur Frau: „Es tut mir leid, dass ich nicht vollkommen bin und dir nicht das ganze Wasser nach Hause bringen kann.“
Die Frau lächelte und antwortete: „Hast du bemerkt, dass auf deiner Seite des Weges wunderschöne Blumen wachsen, während auf der anderen Seite kaum etwas blüht?“ Dann erklärte sie: „Ich habe Samen am Wegesrand ausgesät, und dein verlorenes Wasser hat sie jeden Tag getränkt, sodass sie wachsen und blühen konnten.“ Da erkannte das Gefäß, dass das, was es für eine Schwäche gehalten hatte, in Wirklichkeit zum Segen geworden war.
Auch wir tragen solche Risse in uns: Fehler, Zweifel, Verletzungen und Grenzen, für die wir uns manchmal schämen. Wir vergleichen uns mit anderen und glauben, nicht gut genug zu sein, doch Gott sieht uns mit den Augen der Liebe. Er verlangt keine Perfektion, sondern ein offenes Herz, das sich von seiner Barmherzigkeit berühren lässt.
Jesus zeigt uns, dass gerade unsere Schwächen uns helfen können, andere besser zu verstehen und ihnen mit Mitgefühl zu begegnen. Was wir selbst als Mangel empfinden, kann in Gottes Händen zu einer Quelle des Segens werden.
Darum lasst uns unsere Risse nicht verstecken, sondern darauf vertrauen, dass Gott auch durch unsere Unvollkommenheit Gutes wachsen lassen kann. Denn wo wir unsere Schwächen sehen, lässt Gott manchmal schon Blumen blühen.
Pater Shoji