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Paulus der Verpackungskünstler – Sonntagsimpuls 27.09.2020

Im dritten Beitrag der Sonntagsimpulse spricht Diakon Stefan Mannheimer über Paulus‘ Art und Weise, Kritik und Belehrung „an den Mann zu bringen“ und die richtige christliche Haltung dabei: Paulus, der Verpackungskünstler.

 

Es gehört schon etwas Geschick dazu, eine Ermahnung oder Kritik so zu verpacken, dass der Andere sie auch annehmen kann. Und es hängt wesentlich von der Beziehung zueinander ab.

Paulus bewegt ein wichtiges Anliegen, das er der Gemeinde in Philippi auf den Weg geben möchte. Er kann es nicht persönlich tun, da er im Gefängnis ist – und so schreibt er einen Brief.

Paulus macht sich Sorgen um die Gemeinde in Philippi, die ihm besonders ans Herz gewachsen ist. Während seiner zweiten Missionsreise – etwa um das Jahr 50 – hat Paulus diese erste Gemeinde auf europäischem Boden gegründet.

Nun sorgt er sich um sie. Irrlehren hatten sich ausgebreitet. Paulus sieht den rechten Glauben und die Einheit der Gemeinde in Gefahr.

Doch wie soll Paulus es den Philippern sagen, damit sie es auch annehmen können? Er fällt nicht mit der Tür ins Haus und poltert nicht einfach drauf los: „Was fällt euch eigentlich ein, ihr Philipper? Jagt endlich diese Irrlehrer vom Hof. Habt ihr etwa vergessen, was ich euch gelehrt habe?

Nein, Paulus ist ein Verpackungskünstler – rhetorisch geübt, holt er etwas länger aus. Er tastet sich vorsichtig heran und bereitet erstmal den Boden für seine Worte. Man muss sich diese behutsame, wertschätzende Sprache erst einmal auf der Zunge zergehen lassen;

„Wenn es Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen – dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig…“

Und dann erst kommt Paulus zu seinem eigentlichen Anliegen: „Tut nichts aus Ehrgeiz oder Prahlerei. In Demut schätze einer den anderen höher als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der Anderen.“

Was war Paulus da zu Ohren gekommen? Welche Platzhirsche waren da in Philippi am Werk? Wer hatte da das Sagen, und wer hat sich was herausgenommen?

Ich glaube, es ging wohl ziemlich menschlich zu in der Gemeinde, der Paulus sehr verbunden war – und das tat offenbar besonders weh!

„In Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst.“ Schreibt Paulus. Das ist nicht so einfach. Wir sind gewohnt, für unsere Meinung und unser Recht einzutreten – und eigentlich ist das ja auch gut so. Wenn ich aber daran glauben kann, dass Gott mir auch durch die Meinung Anderer etwas sagen will, dann werde ich ihnen in einer anderen Haltung begegnen. Dann werde ich anders zuhören, bevor ich meine Antwort gebe. Ich werde dem Anderen, auch wenn ich seine Meinung nicht teile, mit Respekt begegnen, ohne ihn unter den Tisch zu reden.

„Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus entspricht.“ schreibt Paulus.

Das galt nicht nur für die erste Gemeinde auf europäischem Boden. Diese gute Gesinnung, die Achtung voreinander, jene gesunde und einander respektierende Streitkultur – die brauchen Kirche und Gesellschaft auch heute.

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch sagte einmal über die Wahrheit: „Man sollte die Wahrheit dem Anderen nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen, sondern wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann.

Paulus, der Verpackungskünstler, hat es in seinem Brief an die Philipper getan.  (Phil 2,1-11)

Diakon Stefan Mannheimer

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