Kategorie-Archiv: Geistlicher Impuls

Gott ist Liebe – Sonntagsimpuls am 16.01.2022

Den Sonntagsimpuls der Pfarrei Heilige Elisabeth spricht heute Pastor Dr. Jürgen Wätjer.

Im Jahr 1976 erschien ein Büchlein mit dem Titel „Gottesvergiftung“. Der damals noch junge Psychoanalytiker Tilmann Moser beschreibt darin seine Geschichte mit Gott. Sie ist bis dahin eine unglückliche Geschichte. Gott, so meint er, sei ihm wie Gift eingeträufelt worden. Wie eine schleichende Krankheit habe Gott sich in ihm ausgebreitet. Er habe ihn bis in die Wurzeln seines Lebens erkranken lassen. Wie in einer Falle halte er ihn gefangen. Gott kontrolliere ihn ständig mit seinen harten, eiskalten „Big-Brother-Augen“. Überall lauere er ihm auf mit seinem strafenden Urteil. Gott erscheine ihm erbarmungslos, herzlos und lieblos. Er lasse sich nicht ansprechen und antworte nicht. Gott verhindere, dass Tilmann Moser zu sich selbst findet und glücklich leben kann. Deswegen hasse er seine Eltern und seine ganze Familie, die ihn mit diesem Gottesgift infiziert hätten. Er halte es auch für eine Täuschung, wenn jemand sagt, er liebe Gott und Gott liebe ihn. So bleibe ihm nichts anderes übrig, will er wirklich als einigermaßen freier Mensch leben, diesen Gott in sich zu töten. Aber er sei zu sehr an diesen Gott gebunden, um von ihm freizukommen. „Du wirst mich“, so schreit Moser seinen Gott an, „noch mit Phantomschmerzen quälen, wenn du längst wegamputiert bist.“ Dem barmherzigen, liebenden Gott ist Moser nie begegnet, obwohl seine kindliche Welt, wie er sagt, mit Bibelsprüchen vollgehängt war.

Es gibt da eine Sammlung von „Kinderbriefen an den lieben Gott“. Sie berichten von ganz anderen Gotteserfahrungen. Hier einige Kostproben:

„Lieber Gott, mein Vater sagt, er möchte für nichts in der Welt Deinen Posten haben. Er ist Elektromechaniker. Könntest Du nicht dafür sorgen, dass er nicht so viel arbeiten muss. Ihr solltet beide nicht so viel arbeiten. Deine Patricia.“

„Lieber Gott, ich möchte wetten, dass Du noch nie Diät essen musstest. Ich habe es langsam satt. Andrea.“

„Lieber Gott, wer hat eigentlich Weihnachten erfunden? Es ist zu schön. Warst Du es? Ich mag die Engel mit den Goldflügeln an unserem Christbaum so gern. Deine Felizitas.“

Diese Kinder haben Gott anders erfahren als Tilmann Moser. Menschen haben ihnen Gott anders vermittelt. Diese Kinder lieben Gott, und Gott liebt sie. Sie können mit ihm reden und ihm schreiben. Sie breiten ihre kleinen und großen Sorgen und Freuden vor ihm aus und vertrauen darauf, dass er hilft: Die Arbeit des Vaters, die ihm so wenig Zeit für seine Tochter lässt; das Leid, Diät essen zu müssen; das Glück des Weihnachtsfestes sind bei ihm gut aufgehoben. Keine Bibelsprüche verhängen die Welt der Kinder, aber sie haben etwas vom Gott der Bibel erfahren.

Um diesen Gott geht es auch im Evangelium der Hochzeit von Kana. Was hier geschieht, nennt das Johannesevangelium ein Zeichen. Jesus offenbart mit diesem Zeichen seine Bedeutung. Er zeigt, wer er ist, und wer derjenige ist, der ihn sendet. Was immer im Einzelnen geschehen sein mag: eines ist sicher, er und Gott stehen auf der Seite der Menschen. Ihre Freude, ihre Lebenslust, ihr Glück, ihr Heil liegen ihnen am Herzen. Das Fest des menschlichen Lebens soll gelingen. Dafür steht Jesus ein, nicht blutleer, abstrakt, lebensfern und abgehoben. Nein, er feiert die Hochzeit mit und lässt die gemeinsame Freude glücken. Das werden die Menschen, die es erleben durften, nicht vergessen haben. Ihnen eröffnet sich darin sein Geheimnis und das Geheimnis, von dem her er lebt. Das nennt er „Abba, lieber Vater“. Gott ist Liebe. Jesus vermittelt ihnen diese Erfahrung und allen, die sich ihm öffnen. Dieser Gott vergiftet nicht das Leben. Er ermöglicht, entfaltet und erfüllt es. Das einzusehen ist nicht so schwierig. Schwierig ist es aber oft, das zu erfahren. Der Analytiker Tilmann Moser ist an diesem Problem zerbrochen. Er fand keine Menschen, die wie Jesus ihn erleben ließen, wer Gott ist. Die Kinder, so legen ihre Briefe nahe, fanden solche Menschen.

Wie steht es mit uns? Finden und treffen wir solche Menschen, die uns in ihrer Art zu leben im Glauben bestärken, dass Gott Liebe ist und dass er unsere Freude, unser Glück auf menschliche Weise will? Mir jedenfalls helfen solche Menschen weiter und tragen meinen Glauben mit. Ich bin dankbar, wenn ich sie treffe.  Und noch eine andere Frage: Sind wir solche Menschen, die durch unsere Lebensart andere ahnen lassen, wer Gott ist und was er bedeutet?

Werden wir für andere zu „Orten“ der Gotteserfahrung, zu Wegmarken und Wegweisern hin zum menschenfreundlichen Gott, den Jesus verkündet? Viele Menschen, die um die Gottesfrage ringen, suchen nach solchen Menschen. An dem unmenschlichen Verhalten derer, die vorgeben, an Gott zu glauben, stirbt ihnen der menschenfreundliche Gott Jesu. An ihrem menschlichen Verhalten beginnt er zu leben. Wir sind auf jeden Fall wichtig in dieser Erfahrung.

Ein weiterer Kinderbrief an den lieben Gott lautet: „Lieber Gott, manchmal glaube ich, dass ich Dich sehen kann. Gestern Abend war es so. Ist es schlimm, wenn ich das sage? Ich möchte dich so gern mal sehen! Meine Mami sagt, Du bist immer in unserer Nähe in guten Menschen. Deine Freundin Stefanie.“

Amen.

Du bist mein geliebter Sohn – Sonntagsimpuls am 9. Januar 2022

Den Sonntagsimpuls der Pfarrei Heilige Elisabeth spricht heute Diakon Stefan Mannheimer

Gerade liegt das Fest der Geburt Jesu hinter uns, da feiern wir auch schon das Fest der Taufe des Herrn. Klingt zunächst nicht ungewöhnlich. Meist wird die Taufe kurz nach der Geburt gefeiert. Bei Jesus ist es etwas anders – da liegen etwa 30 Jahre dazwischen, von denen wir sehr wenig wissen. Die Evangelien berichten von der Taufe Jesu im Jordan. Ich stelle mir vor, wie Johannes der Täufer im Fluss steht und die Leute zu ihm strömen. Warum machen sie sich auf den Weg zu ihm? Dieser Johannes muss ein Mann starker Worte gewesen sein. Er verstand es offenbar, die Leute aufzurütteln und neugierig zu machen. Seine Worte waren zwar nicht bequem, aber irgendwie ahnten die Menschen wohl, dass ein „Einfach-Weiter-So-Wie-Bisher“ keine Option ist. Sie waren bereit, etwas an ihrem Leben zu ändern. Und als Zeichen ihrer Umkehrbereitschaft ließen sie sich von dem Propheten Johannes taufen.

„Ich taufe euch mit Wasser“ sagt Johannes. Das verstehen die Leute. Wasser ist ein vertrautes Element – für alle Menschen – auch heute – ganz gleich, welcher Religion sie angehören oder nicht angehören. Wasser ist Sinnbild für das Leben, für Reinigung und Erfrischung.

Johannes der Täufer kündigt an: „Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“  Damit stellt Johannes klar: Nicht er ist der verheißene Retter, sondern ein anderer. Und plötzlich ist dieser Andere da, steht direkt vor Johannes, um sich taufen zu lassen. Der Jude Jesus aus Nazareth geht den Weg mit den Menschen seines Umfelds. Unglaublich – hat der Gesandte Gottes dies nötig – eine Umkehrtaufe zur Vergebung der Sünden? Der große wortgewaltige Prophet Johannes versteht die Welt nicht mehr.

Doch Jesus besteht darauf. Nach kurzer Diskussion steigt Johannes mit Jesus in den Fluss und tauft ihn. Und dann geschieht das Besondere: Während Jesus betet, wird er vom Heiligen Geist erfüllt. Die Stimme aus dem Himmel beglaubigt Jesus als den Christus: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“

Ich finde an diesem Evangelium zwei Dinge immer wieder schön
Jesus reiht sich ein in die Schar seiner Zeitgenossen und er macht sich mit ihnen gemeinsam auf den Weg. – Ich glaube, dass er dies auch heute tut und sich immer wieder mit uns auf den Weg machen will. Und er lädt auch uns – seine Jüngerinnen und Jünger – dazu ein: Macht euch gemeinsam auf den Weg -mit allen Menschen guten Willens! Unsere Welt kann’s brauchen!

Das Zweite ist die Zusage aus dem Himmel. Was Jesus gesagt wird, das dürfen auch wir uns von Gott her zusagen lassen: Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter. An Dir habe ich Wohlgefallen. Du gehörst für immer zu mir.

Das ist eine Ermutigung, die uns tragen kann auf unserem Weg. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und einen glücklichen Weg durch das neue Jahr.

Impuls zum Fest der Erscheinung des Herrn – 06. Januar 2022

Den Impuls zum Fest der Erscheinung des Herrn am 06. Januar 2022 spricht spricht Pfarrer Markus Diederich.

 

Willkommen zum Fest der Erscheinung des Herrn in der Pfarrei Heilige Elisabeth.

Venimus adorare eum. Venimus adorare eum.
Wir sind gekommen, IHN anzubeten – das ist das Bekenntnis der Sterndeuter! Aber Wissenschaftler, die anbeten? Das klingt doch seltsam. Kann man denn gebildet sein und anbeten? Ist es nicht eher dumm, jemanden anzubeten?

Diese Sterndeuter sind aber nicht dumm – sie sind schlaue Menschen, die die Welt beobachten und deuten. Sie haben aus der Welt heraus erkannt, dass etwas wunderbares geschehen ist – es muss etwas passiert sein, dass sich die Welt so sonderbar verhält. Darum sind sie einem natürlichen Zeichen – sie sind einem besonderen Stern gefolgt. Sie haben einen langen und beschwerlichen Weg auf sich genommen. Das war ihnen nicht zu viel, weil sie zuvor noch länger und ganz intensiv geforscht und beobachtet haben.

Sie kommen aus anderen Ländern und bringen Geschenke mit. Und weil davon schon in den Psalmen die Rede ist, nennen wir sie auch Könige: „Die Könige … bringen Gaben … Alle Könige werfen sich vor ihm nieder“, heißt es in Psalm 72.

Diese klugen Sterndeuter haben etwas erkannt und sie haben sich entschieden: Sie wollen ihn anbeten: Sie wollen den neugeborenen König der Juden verehren. Sie wollen sich vor einem Kind klein machen. Was haben Sie davon? Erhoffen sie sich etwas dafür? Warum machen sie das alles?

Lied Venimus adorare eum, Strophe 1 (T&M: Gregor Linßen)

Wenn die Welt  sich so sonderbar verhält – wenn die Welt  sich einem Baby unterstellt – dann muss in diesem Kind der Herr der Welt – dann muss Gott in diesem Kind sein. An der Welt erkennen wir, dass da einer ist, der bedeutender ist – einer, von dem wir alles erhoffen dürfen. Die Sterndeuter beugen ihre Knie und beten das Kind an. Gott ist mitten in seiner Welt – er ist der Immanuel – der Gott, der mit uns ist – wie ihn schon das Alte Testament nennt.

Auch heute noch wir dürfen Gott IN der Welt erkennen und uns vor ihm verneigen – wir dürfen ihn anbeten – wir dürfen uns um ihn versammeln. Er lädt uns ein, ihm selbst im Brot des Lebens zu begegnen. Der selige Niels Stensen hat dies bei der Fronleichnamsprozession für sich erkannt – er der hochgebildet war und Naturgesetzte entdeckte: Niels Stensen hat Gott im Brot des Lebens erkannt und IHN angebetet.

Lied Venimus adorare eum, Strophe 3 (T&M: Gregor Linßen)

Diese Anbetung führt auch uns weiter – sie führt zum Bekenntnis des Geheimnisses von Weihnachten: Gott hat sich klein gemacht, damit die Welt IHN erkennt. Dazu segne uns Gott – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!

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